Protokoll der Tagung in Rindern am 13./14.03.09
Thematische Diskussion, Versuch einer Klärung der Begrifflichkeiten und der zentralen Fragestellung
Freitag:
Vier Stunden dienten der inhaltlichen Diskussion und Klärung. Hier werden nur die wichtigsten Aspekte wiedergegeben:
Dreh- und Angelpunkt bildete immer wieder die Frage: Spielt die Grenznähe (noch) eine Rolle? Wenn ja, welche? Und wenn ja, bis zu welchem Kilometer reden wir dann von Grenznähe? Und wenn, in welchen Bereichen spielt sie eine Rolle? In Bezug auf welche Kompetenzen? Und wie kann diese Rolle, die sie evtl spielt, im Fremdsprachenerwerb genutzt werden? Hat sich diese Rolle verändert? Spielt sie für niederländische LernerInnen genauso eine Rolle/dieselbe Rolle wie für deutsche? Wovon hängt diese Rolle (wenn es sie denn gibt) ab? Vom soziokulturellen Raum? Von eigener Geschichte? Von der Wahrnehmung durch die Medien? Vom Imago?
Und noch mehr Fragen: Wie groß sind die Vorkenntnisse im engeren Grenzgebiet überhaupt konkret, die ein Schüler/eine Schülerin hat, wenn er/sie mit dem Erwerb der Zweitsprache beginnt? Sind diese Vorkenntnisse messbar? Evaluierbar? Und damit nutzbar?
In wie fern können diese Vorkenntnisse und auch die Vorkenntnisse, die durch das Erlernen des Englischen bestehen, ausgenutzt werden (language awareness). Und was ist dabei das Ziel? (auch im Sinne des Europäischen Referenzrahmens)
Mehr Fragen als Antworten. Darunter viele Fragen, die sich gut für wissenschaftliche Untersuchungen anböten.
Grenznähe allein bedingt keine gesonderte Didaktik. War es das dann? Lässt sich Grenznähe nicht zumindest im rezeptiven Bereich nutzbar machen? Also `Nachbarsprachendidaktik unter besonderer Berücksichtigung der Grenznähe´?
Nicht zu vergessen ist die veränderte Rolle des Englischen für den Spracherwerb.
Wir konstatierten, dass es unrealisierbar ist, EIN Gesamtkonzept für alle Schulen aufzubauen (gemeint ist für alle Schultypen in allen Lagen unter Berücksichtigung aller Teilantworten auf die oben skizzierten Fragen). Möglich scheint vielmehr ein kleines Kompendium mit didaktischen Fragstellungen bzw. daraus resultierend Tipps zu erstellen, dass die genannten Fragestellungen möglichst breit aufgreift und dass sich als Additum zu bestehender Didaktik versteht.
Wie können wir den Aufbau eines kommunikativen Bedürfnisses vor dem Hintergrund der Grenznähe erleichtern (`Give them a need´)?
Am Ende des ersten Abends waren wir um viele Fragen reicher.
Samstag:
Nach einer erneuten (Einstiegs-) Diskussion griffen wir in Gruppenarbeit zum Lehrbuch. Mit Hilfe der Frage `Wie bildet sich Grenznähe im Lehrbuch ab? Wie kann sie in das Lehrbuch/in den Unterricht integriert werden? wollen wir unseren Zielen näher kommen.
Alle drei Gruppen legten das Lehrbuch nach kurzer Zeit weg und diskutieren eher grundsätzlich weiter. Die Visualisierung der Ergebnisse sieht wie folgt aus:

Nach der Präsentation der Ergebnisse konkretisierten sich die Dinge: Gemäß den Vermerken auf den Plakaten der Gruppen erscheint es möglich
• methodische Konsequenzen aus dem Vorteil der grenznahen Situation zu erarbeiten
• Aufgabenformate zu entwickeln, die die Grenznähe in besonderer Weise in den Mittelpunkt stellen
• das Bildmaterial des Lehrwerks genauer zu untersuchen und um `originaleres´ Material zu ergänzen
• `taaldorp´ live zu erarbeiten
• Konkret Stadtrallys zu erstellen.
Beschlüsse/Perspektiven
• Die Kerngruppe sah sich in der Lage auf der Basis der Ergebnisse der Tagung einen Antrag zu stellen.
• Eine kleiner Gruppe, bestehend aus den drei Herren van Eunen, Krebs und Michels sowie ergänzend Frau Basu, Michael, Gerrie, Guido und Jutta wird in einem Treffen mit Veronika Wenzel die Ergebnisse der Tagung auswerten und nutzbar machen.
• Die Gesamtgruppe wird sich vor dem Sommer noch einmal treffen; danach erst wird sich vor dem Hintergrund der Ergebnisse des Gespräches mit Frau Wenzel entscheiden, wer weiterhin mitarbeiten möchte.
jutta biesemann


